17.03.2014

Warnstreiks: Trotzdem pünktlich zur Arbeit kommen

Auch bei Streiks: Wegerisiko liegt beim Arbeitnehmer

Ulrich Kanders, Hauptgeschäftsführer des EUV und Fachanwalt für Arbeitsrecht

Für morgen sind Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr im Ruhrgebiet geplant. Ein Grund, einfach mal frei zu nehmen? Der Essener Unternehmensverband (EUV) weist angesichts der für morgen angekündigten Warnstreiks im öffentlichen Dienst darauf hin, dass Arbeitnehmer deshalb keinen Anspruch auf bezahlte Freistellung von der Arbeit haben. Auch Verspätungen sind durch den Streik nicht automatisch entschuldigt. „Das sogenannte ‚Wegerisiko‘ liegt beim Arbeitnehmer“, erklärt Ulrich Kanders, Hauptgeschäftsführer des EUV und Fachanwalt für Arbeitsrecht. „Auch bei Streiks im Nahverkehr sind Arbeitnehmer verpflichtet, pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen“, so Kanders.


Die Streiks seien lange genug im Voraus angekündigt worden, sodass jeder die Möglichkeit habe, sich darauf einzustellen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen. „Der Arbeitgeber kann erwarten, dass seine Mitarbeiter sich auf solche Situationen vorbereiten. Wer normalerweise mit der Bahn fährt, muss auf das Auto umsteigen, Fahrgemeinschaften bilden oder entsprechend früher losfahren“, so Ulrich Kanders.


Dennoch haben die meisten Arbeitgeber wohl Verständnis, wenn ein Mitarbeiter sich aufgrund des Streiks etwas verspätet. „Rechtlich gesehen ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet, die ausgefallene Zeit zu vergüten. In der Praxis wird dies jedoch in der Regel über flexible Arbeitszeiten oder Überstundenkonten geregelt“, so Ulrich Kanders. Auch eine Abmahnung müssen diejenigen, die vom Streik betroffen sind und deshalb zu spät kommen, wohl nicht sofort fürchten: „Mitarbeiter müssen den Arbeitgeber über die Verspätung informieren, das ist heutzutage jedem zumutbar. Bei einer einmaligen Verspätung aufgrund eines Streiks wird sicher keine Abmahnung erteilt“, so Ulrich Kanders.


Streik in Kitas: Eltern müssen sich vorbereiten

Auch Arbeitnehmer, die ihre Kinder aufgrund des Streiks nicht in die Kita bringen können, dürfen nicht einfach unentschuldigt fehlen. Auch hier gilt: Die Streiks wurden soweit im Vorfeld angekündigt, dass Eltern sich darauf vorbereiten können. „Sie müssen beispielsweise längere Fahrzeiten zu Notgruppen in anderen Einrichtungen einplanen, privat für die Kinderbetreuung sorgen oder sich einen Tag Urlaub nehmen“, so Ulrich Kanders. „Aber auch hier zeigt die Erfahrung aus der arbeitsrechtlichen Praxis des Verbandes, dass Unternehmen flexibel auf diese besonderen Situationen eingehen und Mitarbeitern ermöglichen, ihre Arbeitszeit flexibler zu gestalten, ausgefallenen Zeiten nachzuarbeiten oder kurzfristig Urlaub zu nehmen“, so Kanders.