08.09.2016

4. Düsseldorfer Arbeitsrechtsforum von unternehmer nrw

Dr. Mallmann: „Arbeits- und Tarifrecht sollen Industrie 4.0 gestalten, nicht abwürgen“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die nordrhein-westfälischen Unternehmensverbände warnen die Politik davor, die Flexibilität in den Unternehmen durch falsche arbeitsrechtliche und arbeitsmarktpolitische Weichenstellungen weiter einzuschränken. Dies werde die deutsche Wirtschaft ein „erhebliches Maß an Wettbewerbsfähigkeit“ kosten. Der Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung der Unternehmensverbände Nordrhein-Westfalen (unternehmer nrw), Dr. Luitwin Mallmann, sagte am Donnerstag vor rund 300 Teilnehmern des 4. Düsseldorfer Arbeitsrechtsforums seiner Organisation, die Wirtschaft benötige vor allem eine Arbeitsmarktordnung 4.0, um Beschäftigung in Deutschland zukunftsfest zu machen und die Chancen einer modernen und digitalisierten Arbeitswelt zu nutzen. „Was wir nicht brauchen, sind starre gesetzliche Regelungen, die Betrieben wie Beschäftigten die gewünschte Flexibilität bei der Erfüllung der individuellen Kundenwünsche nehmen“, betonte Mallmann. Betriebe und Beschäftigte benötigten Freiraum für praxistaugliche Lösungen vor Ort – wie sinnvolle Home-Office-Modelle oder einen verantwortungsbewussten Umgang mit dienstlichen Emails in Erholungs- und Urlaubszeiten.

Nach Worten Mallmanns müssten Betriebs- und Tarifparteien die Digitalisierung gestaltend begleiten. Die Sozialpartner in Nordrhein-Westfalen hätten darin 70 Jahre Erfahrung. „Wer das Wuchern eines Prozesses im Konsens mit den Arbeitnehmern klug verhindert, fördert das richtige Wachstum, das wir alle wollen“, erklärte Mallmann.

Das angestrebte Entgeltgleichheitsgesetz bezeichnete Mallmann in diesem Zusammenhang als „Negativbeispiel, weil es von vollkommen falschen Voraussetzungen ausgeht“. Unterschiede in den Verdiensten hätten ihre Ursache nicht im Betrieb, wo Arbeit bewertet und ohne Ansehen der Person vergütet werde. „Wer hier bürokratische Regulierungen einführt, stört nur die Abläufe, schafft aber nichts für die Frauen in den Unternehmen“, betonte Mallmann. Die Unterschiede in der Vergütung von Frauen und Männern lägen vielmehr im Erwerbsverhalten: Arbeitszeiten, Berufswahl, Betriebszugehörigkeit, familienbedingte Auszeiten und Erwerbsunterbrechungen seien Gründe für Verdienstunterschiede, die auch ein Gesetz nicht ändern könne. Die Politik müsse vielmehr die Rahmenbedingungen dafür ändern, dass Frauen verstärkt die ohne Zweifel vorhandenen Karrierechancen auch wahrnehmen könnten. „An erster Stelle sind das Ganztags-Kitas und Ganztagsschulen. Hier haben wir gerade auch in NRW noch erheblichen Nachholbedarf“, erklärte Mallmann. Er ermunterte junge Frauen, sich schon in der Schule intensiver mit der Berufsorientierung zu beschäftigen. Wunschberufe von Mädchen lägen oft am Ende der Verdienstskala. Insbesondere die typischen MINT-Berufe böten sehr attraktive Vergütungen für Männer und Frauen gleichermaßen.

 

Eine Bilderstrecke zum Arbeitsrechtsforum gibt es HIER.