12.11.2015

DGB-Ausbildungsreport großes Kompliment für Unternehmen in NRW

Dr. Mallmann: „Berufliche und regionale Beweglichkeit muss für junge Menschen selbstverständlich werden“

Als eine „höchst eigentümliche Interpretation“ haben die NRW-Unternehmensverbände die Aussagen des DGB zu den Ergebnissen seines NRW-Ausbildungsreports 2015 bezeichnet. „Wenn mehr als 70 Prozent der Auszubildenden zwischen Rhein und Weser mit der Qualität ihrer Ausbildung zufrieden oder sogar sehr zufrieden sind, dann ist das erst einmal ein großes Kompliment für die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung der Unternehmensverbände Nordrhein-Westfalen (unternehmer nrw), Dr. Luitwin Mallmann, am Donnerstag in Düsseldorf. Damit bescheinige das Gros der Auszubildenden den mehr als 100.000 Ausbildungsbetrieben des Landes gute Arbeit. Deshalb sei es nicht nachvollziehbar, warum der DGB zum wiederholten Male die Unzufriedenheit junger Menschen, die etwa nicht ihren Wunschberuf an ihrem Wunschort erlernen könnten, in den Vordergrund seiner Bewertung stelle. „Die Frage ist doch: Wenn das Glas zu mehr als 70 Prozent gefüllt ist: Freue ich mich dann darüber oder ärgere ich mich lieber über den fehlenden Rest?“, sagte Dr. Mallmann.

Der DGB-Umfrage zufolge könnten drei Viertel der Auszubildenden in Nordrhein-Westfalen ihren Wunschberuf oder einen ihrer Ansicht nach „interessanten Beruf“ erlernen. Dies sei der erfreuliche Beleg für ein auswahlfähiges Lehrstellenangebot der Unternehmen. Dass das Erlernen des Wunschberufes nicht für jeden Auszubildenden gewährleistet werden könne, sei weder eine neue Erkenntnis noch besonders dramatisch. Dr. Mallmann forderte junge Menschen auf, noch intensiver als bisher auch abseits ihrer Wunsch-Lehrstelle an ihrem Wunsch-Ort nach attraktiven Alternativen zu suchen. „Wir müssen bei Jugendlichen erreichen, dass eine gewisse Beweglichkeit selbstverständlich ist. Das ist eine Frage der Einstellung gegenüber der eigenen Zukunft und einer möglichst frühzeitigen Berufsorientierung in der Schule“, erklärte der Hauptgeschäftsführer. Rund 6.000 offene Ausbildungsplätze in Nordrhein-Westfalen warteten immer noch auf geeignete Bewerber. Das sei der höchste Wert seit 18 Jahren.

Angesichts dieser hohen Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze gehe die erneute Forderung des DGB nach einer Ausbildungsumlage an der Wirklichkeit in Nordrhein-Westfalen völlig vorbei. Auch die ständige Wiederholung einer ordnungspolitisch falschen und das Problem eher verschärfenden Maßnahme mache die Forderung des DGB nicht besser. Das unbestrittene Hauptproblem auf dem Ausbildungsmarkt bestehe in der Frage, wie Ausbildungsplatzangebot und Ausbildungsplatznachfrage nach Berufen und Regionen zusammengefügt werden könne. „Die Frage lautet doch: Wie mache ich einem jungen Menschen in Recklinghausen, der Werkzeugmechaniker werden will, einen entsprechenden Ausbildungsplatz in Olpe schmackhaft? Oder wenn er partout nicht umziehen will, wie motiviere ich ihn zur Suche nach einer für ihn attraktiven beruflichen Alternative in seinem regionalen Umfeld“, betonte Dr. Mallmann. Geeignete Vorschläge des DGB zur Lösung dieses zentralen Problems des NRW-Ausbildungsmarktes seien hochwillkommen.