13.11.2015

Spitzengespräch Ausbildungskonsens NRW

Präsident Maier-Hunke: „6.000 unbesetzte Ausbildungsplätze bereiten mir große Sorge“

Gemeinsame Erklärung von unternehmer nrw und DGB-NRW zur Integration von Flüchtlingen

Die nordrhein-westfälischen Unternehmen haben das Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen im Jahr 2015 noch einmal deutlich erhöht. Mit einem Plus von 2.200 Plätzen ist die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze auf mehr als 100.000 gestiegen und erreicht damit das höchste Niveau der vergangenen elf Jahre. Überdies zeichne sich trotz rückläufiger Bewerberzahlen bei den Ausbildungsverträgen „eine erfreuliche Stabilität“ ab. Der Präsident der Landesvereinigung der Unternehmensverbände Nordrhein-Westfalen (unternehmer nrw), Horst-Werner Maier-Hunke, sagte am Freitag nach dem Spitzengespräch Ausbildungskonsens NRW in Düsseldorf, die Chancen junger Menschen auf Ausbildung hätten sich weiter verbessert. „Die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen stehen zu ihrer Verantwortung und bilden unverdrossen mit großer Bereitschaft aus“, betonte der Unternehmerpräsident. Das zeige auch ein Bundesvergleich. Trotz nicht immer guter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen liege NRW sowohl bei der Ausbildungsbetriebsquote (23,4 Prozent) als auch bei der Ausbildungsquote (5,7 Prozent) deutlich über dem Bundesdurchschnitt (20,3 Prozent sowie 5,2 Prozent).

 Als „besorgniserregend“ bezeichnete Maier-Hunke die hohe Zahl von rund 6.000 unbesetzten Ausbildungsplätzen, dem Höchststand seit 18 Jahren. „Das ist keine gute Nachricht, denn überall dort, wo ein Ausbildungsplatz nicht besetzt wird, kann auch kein Ausbildungsvertrag geschlossen werden“, erklärte er. In diesen Unternehmen sei es auch schwierig, zusätzliche Ausbildungsplätze einzuwerben. Zentrale Herausforderung auf dem Ausbildungsmarkt bleibe das sogenannte „Matching“ – also die Passung von regionalen Ausbildungsplatzangeboten der Unternehmen einerseits sowie Berufswünschen und Mobilitätsanforderungen der jungen Menschen andererseits. Maßstab aller Bemühungen müsse zwingend der tatsächliche Bedarf der Unternehmen bleiben. „Es macht keinen Sinn, eine Fachkraft auszubilden, wenn es für sie anschließend in unseren Betrieben keine Betätigung gibt“, warnte Maier-Hunke.

Ebenso wenig hilfreich sei der Vorschlag, Unternehmen sollten ihre Erwartungshaltung drosseln und die Anforderungsprofile an die Bewerber anpassen. Dafür sei die Berufswelt inzwischen zu komplex. „Das schmälert am Ende des Tages die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen.“ Erneut forderte Maier-Hunke junge Menschen, die ihre Wunsch-Lehrstelle an ihrem Wunsch-Ort nicht bekommen haben, zu mehr Beweglichkeit auf. Hierfür notwendig sei eine fundierte Berufsorientierung und –vorbereitung schon in der Schule. Maier-Hunke appellierte an die jungen Menschen im Lande, sich schon frühzeitig mit ihrer eigenen beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen und dabei die duale Ausbildung in den Fokus zu nehmen. „Die Karrierechancen und Perspektiven mit einer guten Ausbildung in unseren Unternehmen sind und bleiben klasse“, betonte er.

 Als „gesellschaftspolitisch größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung“ bezeichnete der NRW-Unternehmerpräsident die Integration der Flüchtlinge. „Die Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Beschäftigung ist kein Selbstläufer“, sagte Maier-Hunke. Die große Bereitschaft der Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, Flüchtlingen ebenso wie anderen Bewerbern eine Chance zu geben, sei ungebrochen. Voraussetzung hierfür seien die frühzeitige Sprachförderung, eine gezielte Berufsorientierung und Rechtssicherheit über den Aufenthaltstatus.

 Beim Spitzengespräch forderten die NRW-Unternehmensverbände und der DGB-NRW in einer gemeinsamen Erklärung die Landesregierung auf, das Personal an allgemein bildenden Schulen und an Berufskollegs deutlich aufzustocken. Nur so sei eine gezielte Förderung vor allem der jungen Flüchtlinge in der deutschen Sprache möglich. Wichtig sei auch eine frühzeitige Berufsorientierung der Flüchtlinge. „Woher sollen denn junge Menschen etwa aus Syrien, Afghanistan und dem Iran unsere Berufe, unsere Ausbildungswege, die möglichen Perspektiven kennen? Wer erklärt ihnen aber auch unser Wertesystem und die Grundregeln der Sozialen Marktwirtschaft?“, betonte Maier-Hunke. Der Unternehmerpräsident warb dafür, die Angebote der Landesinitiative „Kein Anschluss ohne Abschluss (KAoA)“ an den allgemein bildenden Schulen so anzupassen, dass sie auch den Voraussetzungen und Bedürfnissen junger Flüchtlinge gerecht werden. Auch müssten sie in den internationalen Förderklassen der Berufskollegs fest verankert werden.