28.11.2015

Statement von Präsident Horst-Werner Maier-Hunke zum NRW-Ausbildungsmarkt - 28.11.2015

Lage klar besser als der DGB glauben machen will

Die Auszubildenden in Nordrhein-Westfalen haben den mehr als 100.000 Ausbildungsbetrieben im Land dieser Tage ein großes Kompliment gemacht. Mehr als 70 Prozent der Befragten hatten in einer Umfrage des DGB-NRW angegeben, mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sogar sehr zufrieden zu sein. Und drei Viertel der jungen Menschen hatten mitgeteilt, sie erlernten einen ihrer Ansicht nach interessanten oder sogar den von ihnen gewünschten Beruf. Dieses Votum hat mich sehr gefreut, weil es zeigt, dass wir in NRW auf dem richtigen Weg sind. Die meisten jungen Menschen wissen ihre berufliche Zukunft in unseren Unternehmen gut aufgehoben, auch weil sie dort auf ein auswahlfähiges und attraktives Lehrstellenangebot treffen.

Obwohl also die große Mehrheit der Auszubildenden den Unternehmen gute Arbeit bescheinigt, will der DGB dies offensichtlich nicht wahrhaben. Er stellt lieber die Meldungen einer Minderheit in den Vordergrund, die etwa nicht ihren Wunschberuf an ihrem Wunschort erlernen können. Er wirft obendrein den Organisationen der Wirtschaft vor, angeblich zugesagte zusätzliche Ausbildungsplätze nicht bereitgestellt zu haben und moniert, die Unternehmen würden grundsätzlich ihrer Verantwortung für junge Menschen nicht nachkommen. Deshalb, so die Schlussfolgerung von DGB-Chef Andreas Meyer-Lauber, benötige NRW eine gesetzliche Ausbildungsumlage.

Um es klar zu sagen: Dass der DGB im Land wider besseres Wissen um die Wirklichkeit auf dem Ausbildungsmarkt in NRW schlechte Stimmung macht und damit die enormen Anstrengungen vieler tausend Unternehmen diskreditiert, die junge Menschen ausbilden, kann ich nicht nachvollziehen. Deshalb ein paar Fakten:

Wenn der DGB sagt, in NRW blieben in diesem Jahr mehr als 23.000 junge Menschen unversorgt, ist dies falsch. Ohne Lehrstelle sind hierzulande, so die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, rund 6.700 junge Menschen. Dieser Zahl stehen rund 6.000 unbesetzte Ausbildungsplätze gegenüber – übrigens der höchste Wert seit 18 Jahren. Die vom DGB genannte Zahl umfasst auch jene, die noch vermittelt werden möchten, aber eine Lehrstelle jenseits ihres Wunschberufs angetreten oder eine geförderte Ausbildung angenommen, sich für ein weiteres Berufsschuljahr entschieden oder ein Studium aufgenommen haben. Zu suggerieren, diese rund 16.500 jungen Menschen seien unversorgt, ist schlicht unredlich.

Wenn der DGB sagt, die Wirtschaft habe im Spitzengespräch Ausbildungskonsens rund 3.000 zusätzliche Ausbildungsplätze für das laufende Jahr verbindlich zugesagt, so ist dies ebenfalls falsch. Es war der Wunsch der Ministerpräsidentin an die Wirtschaft, eine festgelegte Zahl zusätzlicher Lehrstellen anzustreben. Kammern und wir Unternehmensverbände haben erwidert, das Ziel sei hochgradig ambitioniert und zugleich zugesagt, gern alles zu tun, um zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen. Das Ergebnis: Die Unternehmen haben im Jahr 2015 mehr als 2.200 zusätzliche Lehrstellen gemeldet und zudem mit insgesamt mehr als 100.000 gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätzen ein Angebot auf Rekord-Niveau generiert.

Abgesehen davon: Obwohl NRW im Vergleich der Bundesländer beim Wirtschaftswachstum mit mageren 0,3 Prozent auf dem vorletzten Platz liegt, weist das Land eine Ausbildungsbetriebsquote von 23,4 Prozent und eine Ausbildungsquote von 5,7 Prozent deutlich über dem Bundesschnitt (20,3 Prozent bzw. 5,2 Prozent) aus. Dass der DGB hier mit verschränkten Armen sagt „Reicht nicht!“, ist eine völlig unnötige Provokation der vielen tausend Unternehmen im Land, die Tag für Tag mit viel Herzblut und hochmotoviert jungen Menschen einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben ermöglichen.

Geradezu grotesk erscheint die in diesem Zusammenhang erneut erhobene Forderung des DGB nach einer gesetzlichen Ausbildungsumlage. Eine Zwangsabgabe würde keinen einzigen zusätzlichen Ausbildungsplatz schaffen und zudem alle Unternehmen bestrafen, die in der Vergangenheit ausgebildet haben. Die ständige Wiederholung dieser ordnungspolitisch falschen und das Problem eher verschärfenden Maßnahme macht die Forderung nicht besser. Ich freue mich, dass NRW-Arbeitsminister Schmeltzer sich die Forderung nach einer Zwangsabgabe für Betriebe ohne Lehrlinge bisher nicht zu eigen macht.

Gewiss: Es bleibt ohne Zweifel noch einiges zu tun auf dem Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen. Das unbestrittene Hauptproblem besteht allerdings in der Frage, wie Ausbildungsplatzangebot und –nachfrage nach Berufen und Regionen zusammengebracht werden können. Konkret: Wie kann ich einen jungen Menschen, der in Recklinghausen Werkzeugmechaniker werden will, eine Lehrstelle in Iserlohn schmackhaft machen? Oder wenn er partout nicht umziehen will, wie motiviere ich ihn zur Suche nach einer für ihn attraktiven und zukunftsfähigen beruflichen Alternative in seinem regionalen Umfeld?

Ich finde, es ist keine Zumutung für junge Menschen, an dieser Stelle mehr Beweglichkeit zu zeigen. Falsch wäre es auch, Forderungen nachzukommen, wonach Unternehmen ihr Anforderungsprofil an junge Menschen nach unten anpassen oder ihre Erwartungen an Bewerber drosseln sollen. Das würde à la long nur die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen schmälern. Geeignete Vorschläge des DGB zur Lösung dieses zentralen Problems des Ausbildungsmarktes sind hochwillkommen. Ein erster Schritt wäre, wenn der DGB-Chef künftig auf seine polemischen Anwürfe gegen Unternehmen verzichten würde.

 

Mehr dazu aus dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 28.11.2015:

Arbeitgeber lehnen Abgabe ab - Kölner Stadt-Anzeiger