26.08.2015

Stellungnahme zur Anhörung des Ausschusses für Schule und Weiterbildung - "MINT-Lehrerversorgung"

unternehmer nrw mit einer Stellungnahme zur "MINT-Lehrerversorgung"

Herausforderungen

MINT ist für uns alle von großer Bedeutung: MINT gehört mit zur Allgemeinbildung in einer Welt, die von naturwissenschaftlichen und technischen Phänomenen und Anwendungen geprägt ist. MINT steht für die Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und damit den Wohlstand unserer Gesellschaft. MINT bietet jenen, die diesen Weg einschlagen, hervorragende Beschäftigungsperspektiven und spannende Berufsfelder. MINT schafft Lösungen für die zentralen Herausforderungen unserer Zeit wie Energieversorgung, Umweltschutz oder Mobilität.

Eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Chancen, die mit MINT verbunden sind, auch tatsächlich realisiert werden, ist eine gute Bildung in diesem Bereich. Aktuell zeigen sich hier allerdings erhebliche Herausforderungen:

  • Im IQB-Ländervergleich 2012 für MINT-Fächer belegt NRW hintere bzw. letzte Plätze. Der Rückstand gegenüber dem Spitzenreiter Sachsen entspricht dem Lernzuwachs von ca. 2 Schuljahren. Besonders besorgniserregend ist auch der große Anteil von Schülern in den unteren Kompetenzstufen. So erreichen in Mathematik in NRW 30 % der Schüler nur die unterste Kompetenzstufe I.
  • Studien zeigen, dass an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in NRW bereits heute MINT-Lehrkräfte fehlen und dieser Mangel in Zukunft noch stark zuzunehmen droht. So zeichnet sich beispielsweise an allgemein bildenden Schulen im Fach Technik in den Jahren bis 2025 eine Bedarfsdeckung von nur 21% ab, in Physik von nur 35 %. An Berufskollegs konnten bereits in den Jahren 2008-2011 zum Beispiel im Fach Maschinenbau nur 30,4 % des Einstellungsbedarfs gedeckt werden.
  • Im Frühjahr 2015 betrug die MINT-Fachkräftelücke in Deutschland knapp 140.000, wovon der größere Teil (rd. 60 %) auf beruflich Qualifizierte (v.a. Ausbildungsabschluss, Meister, Techniker) entfielt. Diese Lücke droht in Zukunft stark anzuwachsen. Bis zum Jahr 2020 werden – wenn nicht wirksam gegengesteuert wird – rund 670.000 MINT-Fachkräfte fehlen, um allein den Ersatzbedarf insbesondere durch altersbedingtes Ausscheiden zu schließen.

Engagement der Wirtschaft in NRW

Die Arbeitgeber- und Unternehmensverbände in NRW und ihre Mitgliedsunternehmen unterstützen die Verbesserung der MINT-Bildung seit vielen Jahren mit großem Engagement. Dabei geht es um die Förderung von MINT entlang der gesamten Bildungskette – vom Kindergarten bis zur gymnasialen Oberstufe. Langfristiges Ziel ist es, das Interesse der Jugendlichen an MINT-Berufen zu steigern und sie mit den erforderlichen Kompetenzen auszustatten.

Zu den Aktivitäten gehören vielfältige Berufsorientierungs-Kooperationen im Rahmen des Netzwerks SCHULEWIRTSCHAFT. Wirtschaft steht Schulen als verlässlicher Partner zur Verfügung wenn es darum geht, die MINT-Arbeitswelt und MINT-Berufe anschaulich zu machen. Denn dies kann Schule nicht alleine leisten, dafür braucht sie Partner aus der Praxis. Im Angebot sind beispielsweise auch Fortbildungen, Veranstaltungen und Erfahrungsaustausche zu verschiedenen MINT-Themen sowie Kooperationen mit zdi.

Hinzu kommen die Exzellenznetzwerke MINT SCHULE NRW (Sekundarbereich I) und MINT EC NRW (Gymnasien). Schulen mit einer hervorragenden MINT-Arbeit werden ausgezeichnet, untereinander vernetzt und erhalten Förderangebote (z.B. Lehrerfortbildungen, MINT-Camps etc.). Ein Beispiel ist der jährlich stattfindende MINT-Tag NRW, in dessen Rahmen Lehrkräfte beider Netzwerke zusammenkommen und sich in Workshops schulformbezogen oder –übergreifend austauschen. Aktuell sind 76 Haupt-, Real- und Gesamtschulen Mitglieder im Netzwerk MINT SCHULE NRW und 62 nordrhein-westfälische Gymnasien im Netzwerk MINT EC NRW.