18.04.2016

Stellungnahme "Wirtschaft in der Ausbildung unterstützen statt immer mehr belasten – Keine Ausbildungsabgabe und keine Quote für abgeschlossene Lehrverträge!" - 18.04.2016

Stellungnahme von unternehmer nrw zur Anhörung des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landtag NRW.

unternehmer nrw spricht sich klar gegen die Einführung einer Ausbildungsabgabe aus und macht deutlich, dass eine Abgabe weder erforderlich noch sinnvoll ist. Sie ist vielmehr kontraproduktiv und würde Schaden auf dem Ausbildungsmarkt anrichten.

Gerne nehmen wir zu dem o.g. Antrag Stellung. Wir teilen die Auffassung, dass eine Ausbildungsabgabe weder erforderlich noch sinnvoll ist. Sie ist vielmehr kontraproduktiv und würde Schaden auf dem Ausbildungsmarkt anrichten.

Ausbildungssituation in NRW

Zunächst ist ein differenzierter Blick auf die Ausbildungssituation in NRW erforderlich. Er zeigt ein großes Engagement der Unternehmen für Ausbildung und verbesserte Chancen für junge Menschen:

  • Rekordniveau bei den betrieblichen Ausbildungsplätzen seit 11 Jahren: 2015 hat es ein deutliches Plus bei den gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätzen in NRW gegeben (+2,2 %). Damit lag die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze mit über 100.000 Stellen auf dem höchsten Niveau der letzten 11 Jahre.
  • NRW mit überdurchschnittlichem betrieblichem Ausbildungsengagement: Bei Ausbildungsquote (5,9 %) und Ausbildungsbetriebsquote (23,9 %) liegt NRW über dem Bundesdurchschnitt (5,4 % und 20,7 %). Auch Bayern (5,6 % und 21,3 %) und Baden-Württemberg (5,7 % und 22 %) werden übertroffen.
  • Deutlich verbesserte Chancen für junge Menschen: Die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze ist 2015 gegenüber 2006 um +11 % gestiegen, während die Zahl der Bewerber in diesem Zeitraum um -12 % gesunken ist.
  • Höchster Stand bei unbesetzten Ausbildungsplätzen seit 18 Jahren: 2015 hat die Zahl der unbesetzt gemeldeten Ausbildungsplätze mit gut 6.000 das höchste Niveau seit 18 Jahren erreicht. Für die Betriebe ist es vielfach schwierig, ihre angebotenen Ausbildungsplätze auch tatsächlich zu besetzen. Vorwürfe an die Unternehmen, sie böten die falschen Plätze an den Berufswünschen der Jugendlichen vorbei an oder stellten zu hohe Anforderungen an Bewerber, sind völlig verfehlt. So muss der Bedarf der Unternehmen immer der Maßstab für das Angebot sein, ansonsten werden Fachkräfte ausgebildet, für die es hinterher keine Arbeitsplätze gibt. Auch können Anforderungen nicht unbegrenzt abgesenkt werden, da die Berufswelt immer komplexer wird und für die Wettbewerbsfähigkeit und Kundenzufriedenheit bestimmte Anforderungen erfüllt werden müssen.
  • Ausbildungsverträge 2015 trotz Bewerberrückgang fast auf Vorjahresniveau: Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in NRW ist 2015 fast konstant geblieben (-0,5 %). Dies ist bei dem gleichzeitigen Bewerberrückgang von -2,7 % bemerkenswert. Hinzu kommt, dass sich gerade hier die Besetzungsprobleme der Betriebe niederschlagen: Die Betriebe haben ihr Ausbildungsplatzangebot gesteigert, konnten aber eine zunehmende Zahl an Ausbildungsplätzen nicht besetzen. Und wo ein Ausbildungsplatz nicht besetzt werden kann, da wird auch kein Ausbildungsvertrag abgeschlossen.
  • Unterschiede auf dem Ausbildungsmarkt: Der Ausbildungsmarkt in NRW ist von Unterschieden geprägt. Es gibt Regionen, in denen es 2015 mehr Ausbildungsplätze als Bewerber gab (z.B. Düsseldorf, Olpe, Münster), aber auch solche, in denen die Vorzeichen umgekehrt sind (z.B. Solingen, Recklinghausen, Oberhausen). Ähnlich sieht es auch bei einem Vergleich von Berufsbereichen aus: Mehr Angebote als Nachfrage gibt es z.B. in den Bereichen Kunststoffverarbeitung, Feinwerk-/Werkzeugtechnik, Klempnerei/Sanitär/Heizung, mehr Nachfrage als Angebote in den Bereichen Mediengestaltung, Immobilienwirtschaft, Tourismus/Sport.
  • Positive Entwicklung im Übergangsbereich: Die Zahl der jungen Menschen, die in NRW in den sog. Übergangsbereich (z.B. Berufsvorbereitungsmaßnahmen) mündet, ist zwischen 2005 und 2015 um rund -32 % zurückgegangen.
  • Langfristvergleiche nicht sachgerecht: Richtig ist, dass in den 70er und 80er Jahren erheblich mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden (z.B. 1980: knapp 178.000). Allerdings ist der Vergleich mit dieser Zeit aus verschiedenen Gründen nicht sachgerecht: Damals gab es deutlich mehr Schulabgänger (1980: 263.000; 2014: 211.000), also stand insgesamt ein größeres Potenzial für Ausbildung zur Verfügung. Dieses Potenzial hat sich aber nicht nur insgesamt, sondern auch durch ein verändertes Bildungsverhalten verringert. So waren früher der Abiturientenanteil (1980: 17 %, 2014: 37 %) sowie die Studienanfängerquote (1980: 21 %, 2014: 60 %) deutlich geringer als heute. Und wenn sich deutlich mehr junge Menschen für ein Studium entscheiden, wirkt sich das auch auf den Ausbildungsmarkt aus.