NRW im Vergleich

Land des Mittelstandes

Rund 751.000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind in NRW tätig. Sie stellen 55,2 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungs-verhältnisse und erwirtschaften dabei ein Drittel des gesamten Umsatzes.

Daneben ist Nordrhein-Westfalen ein begehrter Standort für Großkonzerne und ihre Zentralen. 16 der 50 umsatzstärksten deutschen Unternehmen haben ihren Sitz in NRW.

NRW fällt zurück

Obwohl NRW mit aktuell rund 625 Mrd. Euro weiterhin den größten Beitrag zum gesamtdeutschen Bruttoinlandsprodukt (21,5 Prozent) leistet, wächst die nordrhein-westfälische Wirtschaft seit geraumer Zeit unterdurchschnittlich. 2014 nahm das preisbereinigte BIP im bevölkerungsreichsten Bundesland um 1,3 Prozent zu, zeitgleich wuchs die deutsche Wirtschaft um 1,6 Prozent. Im längerfristigen Vergleich offenbart sich die Schwäche des wirtschaftlichen Schwergewichts noch deutlicher: In den Jahren 2000 und 2014 legte die NRW-Wirtschaft um 11,5 Prozent zu, dagegen wurde im Schnitt der Bundesländer Wachstum von 15,7 Prozent erreicht. Zieht man die wirtschaftliche Performance der Bundesländer Bayern (+24,7 Prozent) und Baden-Württemberg (+20,2 Prozent) als Vergleichsmaßstab heran, fällt NRW noch stärker ab. Die nachfolgende Grafik zeigt die Wirtschaftsentwicklung der genannten Vergleichsländer im Zeitablauf.

Hier lässt sich zudem erkennen, dass NRW mit der Bewältigung der Auswirkungen der Wirtschaftskrise im Winter 2008/2009 mehr zu kämpfen hatte als die Vergleichsländer. Erst 2014 wurde das Niveau des Jahres 2008 wieder übertroffen.

Auch auf dem Arbeitsmarkt macht sich die wirtschaftliche Schwäche bemerkbar. So wies NRW 2014 mit 8,2 Prozent die höchste Arbeitslosenquote aller westdeutschen Flächenländer auf, insbesondere das Ruhrgebiet kommt dabei auf Arbeitslosenquoten von über 10 Prozent. Höher als im Bundesschnitt ist auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen - er lag zuletzt im April 2015 bei über 43 Prozent (D: 37,1 Prozent). Rund 73 Prozent aller Arbeitslosen in NRW fielen 2014 in den Rechtskreis des SGB II (Bund: 67,8 Prozent) und bezogen  Grundsicherung für Arbeitssuchende. Nur in Sachsen-Anhalt, Berlin und Bremen wurden noch höhere Werte erreicht.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen überrascht die hohe Anzahl an Insolvenzen nicht – 7.823 Unternehmen an Rhein und Ruhr mussten 2014 den Gang zum Amtsgericht antreten. Knapp ein Drittel aller Unternehmenspleiten in Deutschland entfallen damit auf NRW. Insbesondere Einzelunternehmer, Freiberufler und Kleingewerbetreibenden haben es hierzulande schwer – über die Hälfte aller Insolvenzfälle in NRW sind dieser Gruppe zuzuordnen.

Die saisonbereinigte Produktionsleistung der NRW-Industrie (Verarbeitendes Gewerbe und Bergbau) ging auch 2014 zum dritten Mal in Folge zurück (-0,8 Prozent), korrespondierend dazu gingen 1,2 Prozent weniger Bestellungen bei den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes ein. Am aktuellen Rand entwickelten sich sowohl Produktion und Auftragseingänge rückläufig, die Schwäche der Industrie hält somit an.

Allen negativen Wirtschaftsnachrichten zum Trotz hat sich die Stimmung in der Wirtschaft am aktuellen Rand wieder aufgehellt: So erholte sich das ifo-Geschäftsklima der gewerblichen Wirtschaft NRWs im März 2014 nach einem Dämpfer im Vormonat wieder spürbar. Sowohl die Lagebeurteilung als auch die Erwartungen verbesserten sich merklich und wiesen positive Salden auf.

Die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes bleibt abzuwarten - die Prognose der HELABA aus Dezember 2014 geht für dieses Jahr von einem Wirtschaftswachstum von  circa 1 Prozent aus. Gleichwohl muss berücksichtigt werden, dass sowohl namhafte Institute als auch der Sachverständigenrat ihre Wirtschaftsprognosen im Laufe des Frühjahres 2015 für das laufende Jahr deutlich nach oben korrigiert haben. Das Prognosenspektrum jüngeren Datums reicht von 1,7 bis 2,2 Prozent Wirtschaftswachstum in Deutschland in 2015. Ursächlich für die Anpassungen der Prognosen sind vor allem der seit Oktober 2014 stark gefallene Ölpreis sowie die Stimulierung der Exporte durch die Abwertung des Euros.

(Stand: Mai 2015)