29.06.2016

Westfalenpost: Horst-Werner Maier-Hunke übergibt an Arndt Kirchhoff - 29.6.2016

Iserlohn. Zwölf Jahre war Horst-Werner Maier-Hunke NRW-Arbeitgeberpräsident – jetzt übergibt der Iserlohner Unternehmer an Arndt Kirchhoff.

Irgendwie kommt das Gespräch immer wieder auf Nepal. Auf eine andere Welt, 6500 Kilometer von Iserlohn entfernt. Weit weg von dem Trubel, der den hektischen Tagesablauf eines Managers bestimmt. Eine Welt, die anderen Gesetzen zu folgen scheint. In Nepal hat Horst-Werner Maier-Hunke als Entwicklungshelfer entscheidende Jahre seines Lebens verbracht. 1965 bis 1968 war das; es ist lange her. Und doch sagt er noch immer: „Das hat mich geprägt.“ Heute wird der 78-Jährige als NRW-Arbeitgeberpräsident verabschiedet; Arndt Kirchhoff, ebenfalls aus dem Sauerland, folgt ihm nach.

Nepal macht gelassen. Auf dem Dach der Welt ist die Luft dünn. Wahrscheinlich besteht das Leben dort aus Kompromissen, weil es ohne sie nicht funktioniert. Maier-Hunke ist ein ruhiger Mensch. Bodenständig. Eitelkeit missfällt ihm. „Kompromisse sind gut“, sagt er und spricht aus Erfahrung. Denn alle Tarifverhandlungen, die er in den vergangenen zwölf Jahren als Arbeitgeberchef maßgeblich mitbestimmt hat, endeten mit einem.

Auch Erfahrung beruhigt. „Ich habe die Gewerkschaften nie als Gegner betrachtet. Auch dort arbeiten sehr fähige Menschen, die sich für ihre Kollegen einsetzen“, sagt der Geschäftsführer der Iserlohner Firma Durable. Was selbstverständlich nicht bedeutet, dass er die Tarifverträge nicht immer hart ausverhandelt hat. Aber manchmal wundert er sich schon, wieso ihn die Unternehmer 2004 zu ihrem ehrenamtlichen Präsidenten bestimmt haben. Schließlich habe er sogar mal Willy Brandt gewählt.

Aber das Freund-Feind-Schema ist Vergangenheit. Horst-Werner Maier-Hunke lobt viel, sogar die Landesregierung. Man kann nicht sagen, dass die Arbeitgeber hierzulande zu ihr momentan ein konfliktfreies Verhältnis pflegen. Dass die Unternehmer vor allem Umweltminister Johannes Remmel für die missliche Lage der Wirtschaft in NRW verantwortlich machen, ist bekannt. Der grüne Politiker verhindere die Ansiedlung von Industrie und verpeste das Investitionsklima im bevölkerungsreichsten Bundesland. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft räume ihm zu viel Spielraum ein. Doch Maier-Hunke schafft es immer noch, auch einen Kontrahenten mit einem Lob zu bedenken: „Fachlich ist Minister Remmel sicher ein Experte. Allerdings setzt er aus Sicht der Wirtschaft seine Schwerpunkte viel zu oft falsch und zu einseitig.“

Maier-Hunkes Argumentationslinie liegt auf der Hand: Die Unternehmer in NRW brauchen wieder das Gefühl, dass sie willkommen sind. Sonst schaffen sie keine Arbeitsplätze. Und dann könne man sich auch den Umweltschutz nicht mehr leisten, weil die Wertschöpfung Reißaus nehme. Immerhin: In den vergangenen Monaten habe bei Hannelore Kraft und ihrem Kabinett ein Sinneswandel eingesetzt. „Die Zahlen über das schlechte Wachstum in NRW waren wohl auch für die Regierung ein Schock“, sagt der Iserlohner.

Maier-Hunke weiß, dass sich Argumente abnutzen, wenn sie zu häufig von denselben Menschen ausgesprochen werden. „Deshalb ist es ganz gut, wenn nun ein anderes Gesicht hinter den Forderungen steckt“, sagt er. Aber man darf ihm wohl glauben, wenn er sagt, die Zukunft des Landes liege ihm am Herzen. Er persönlich hat ja längst nichts mehr zu verlieren. Darum engagiert er sich auch in der Flüchtlingskrise. Im Kreise der Unternehmer hat er Initiativen angestoßen, um Asylbewerber zu qualifizieren und in Lohn und Brot zu bringen. Das ist für ihn nicht nur ein Gebot der Menschlichkeit, sondern angesichts des demografischen Wandels auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. So wie Integration aus seiner Sicht an Voraussetzungen geknüpft ist: „Wer die Sprache nicht lernen will und unsere Gesellschaft nicht respektiert, der soll wieder gehen.“

In Nepal gab es auch Flüchtlinge. Ein Stück seines Herzens ist wohl noch dort, auch wenn er das Land jetzt nicht mehr so häufig besuchen kann wie früher. Fünf Patenkindern schreibt er regelmäßig und unterstützt in ihrer Heimat soziale Projekte. Dass er in Zukunft mehr Zeit für die Briefe hat ist nicht anzunehmen. Maier-Hunke bleibt unter anderem Chef des Märkischen Arbeitgeberverbandes, Honorarkonsul von Estland, Mitglied des Hochschulrats der Fachhochschule Südwestfalen und natürlich Boss in seiner Firma. Das reicht für eine 60-Stunden-Woche.

Quelle: Westfalenpost von Martin Korte

Horst-Werner Maier-Hunke übergibt an Arndt Kirchhoff | Westfalenpost.de - Lesen Sie mehr auf:
www.derwesten.de/wp/region/sauer-und-siegerland/horst-werner-maier-hunke-uebergibt-an-arndt-kirchhoff-id11959079.html