Reinhard Tweer, GF der REINHARD TWEER GmbH
Der NRW-Wirtschaftsblog
Klartext
im Westen

Für eine verlässliche, sichere und bezahlbare Energiepolitik

Der Geschäftsführer der REINHARD TWEER GmbH schreibt über die Bedeutung einer sicheren Energieversorgung für eine mittelständische Stahlgiesserei.

Von Reinhard Tweer

Geschäftsführer der REINHARD TWEER GmbH, Bielefeld

Mit dem 24. Februar 2022 hat sich alles verändert: Der Einmarsch Russlands in die Ukraine wirft vieles über Bord. Wir verurteilen diesen brutalen Angriff aufs Schärfste. Das Leid der Menschen und der vielen Opfer in der Ukraine macht uns betroffen.

Wirtschaftliche Themen stehen angesichts dieser Tragödie sicherlich nicht im Vordergrund – aber dennoch müssen wir uns mit ihnen beschäftigen. Denn die Folgen des Krieges auch für unsere Wirtschaft hierzulande sind überhaupt nicht absehbar. Die Lieferketten sind massiv gestört, die Corona-Krise wirkt noch nach, und über allem schwebt das Stichwort Energie. Im Raum stehen gegenwärtig Forderungen nach einem totalen Stopp der Käufe von Öl und Gas aus Russland. Mir stellt sich dabei die Frage: Was würde es für eine mittelständische Gießerei aus OWL bedeuten, wenn Energieträger nur reduziert geliefert werden oder sogar ganz wegfallen?

Bei Wegfall der Energieträger drohe ein Produktionsstopp

Wir benötigen für die Produktion unserer Teile drei Säulen der Energie: Die Hauptquelle ist Strom, und hier befinden wir uns durch die Energiewende der letzten Jahre und der anstehenden Transformation in einer Preisspirale. Sie verteuert unsere Produkte stark und führt am Markt bei unseren Kunden bereits zu Überlegungen, sich im Ausland umzuschauen. Aber: Gussteile sind gefragt. Und solange die Lieferkette – auch mit höheren Preisen – steht, wird es noch akzeptiert.

Dabei muss man wissen, dass wichtige Glieder in der Wertschöpfungskette unserer Produktion jedoch nur mit Öl oder Gas prozesstechnisch auszuführen sind. Dazu gehören zum Beispiel Pfannenfeuer zum Vorheizen der Schmelztiegel, Brennen und ArcAir zum Trennen der Gusstrauben oder Schweißen zur Erreichung der gewünschten Kundenanforderungen. Bei einem Wegfall der Energieträger oder einer Reduzierung ihrer Menge würde hier unweigerlich ein Produktionstopp drohen, einhergehend mit Kurzarbeit oder sogar Arbeitsplatzabbau. Und dann wäre ein Modellabzug ins Ausland denkbar, weil unsere Kunden nicht mehr beliefert werden könnten. Damit kämen unsere drei Säulen der Kundenwünsche ins Wanken: Termintreue, Qualität und der Preis!                                          

Auch die Zulieferindustrie ist in einem hohen Maß von Energieträgern wie Gas und Öl abhängig.

Was für uns Fakt ist, gilt auch für unsere Zulieferindustrie. Auch sie ist in einem hohen Maß von Energieträgern wie Gas und Öl abhängig. Bei einem drohenden Stopp der Importe aus Russland könnte sie uns nicht mehr beliefern. Die Wertschöpfungsketten sind durch die Rahmenbedingungen der letzten Jahre bei der Energieversorgung so eng verzahnt, ja, man kann auch sagen, so stark abhängig von den Gegebenheiten, dass ein sofortiger Stopp, wie teilweise gefordert, nicht zu verkraften wäre.

Eine industrielle Fertigung in Deutschland mit seinen hohen Löhnen und den leider seit Jahren steigenden und ohnehin schon zu hohen Energiepreisen ist bei einem Wegfall der Termintreue durch den Ausfall von Produktion nicht kompensierbar. Das würde dazu führen, dass wir uns als Standort wirklich Sorgen für die Zukunft machen müssen.

Mehr Augenmaß in der energiepolitischen Debatte

Unser Unternehmen atmet 112 Jahre Tradition am Standort Bielefeld – mit motivierte Mitarbeitern und mit einer modernen Fertigung von Produkten, die auch für die erforderliche Energiewende und den Green Deal der EU benötigt werden. All dies stünde auf dem Prüfstand. Auch deshalb wünschte ich mir in der gegenwärtigen energiepolitischen Debatte mehr Augenmaß.

Als Unternehmen unterstützen wir europäische Lösungen und sind im Konsens mit der notwendigen digitalen und nachhaltigen Transformation. Aber wir brauchen für den Übergang fossile Energie. Allen muss bewusst sein, dass ein Embargo zu einem radikalen Schnitt in der Industrie führen würde mit der Folge massiver Schäden. Sonst sehe ich im „worst case“ teilweise die Existenz von Wirtschaftszweigen bedroht. Ich befürchte dann einen massiven Abbau gutbezahlter Arbeitsplätze im Herzen der deutschen Industrie, der zu massiven gesellschaftlichen Mehrkosten durch Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit führen würde.

#wirsindtweer steht seit 112 Jahren für Tradition, Knowhow, Tarif, Innovation und vieles mehr, und wir hoffen, dass noch viele Jahre folgen.