Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des Märkischen Arbeitgeberverbandes
Der NRW-Wirtschaftsblog
Klartext
im Westen

Taten nach den Tiefschlägen

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Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des Märkischen Arbeitgeberverbandes, schreibt für den NRW-Wirtschaftsblog.

Von Horst-Werner Maier-Hunke

Vorsitzender Märkischer Arbeitgeberverband und Ehrenpräsident von unternehmer nrw

Geht es Ihnen auch so? Es fühlt sich für mich so an, als läge die Corona-Pandemie bereits lange hinter uns. Erstens ist das aber nicht der Fall, und zweitens sind es schreckliche Ereignisse, die dazu führen, dass das Corona-Thema verblasst ist.

Es gibt Krieg in Europa! Man traut sich immer noch kaum, das auszusprechen. Und doch ist es wahr – mit all den Folgen, die damit verbunden sind. Natürlich muss das Leid der Menschen an allererster Stelle stehen, wenn man über das Thema des Krieges redet. Aber wir alle wissen, dass der Konflikt in der Ukraine auch wirtschaftliche Folgen nach sich zieht. An erster Stelle stehen steigende Energiekosten und gestörte Lieferketten. Zu beobachten sind ferner ein zurückgehender Absatz und eine gestörte Produktion in Deutschland. Das alles ist bedenklich.

Vergessen wir auch nicht, dass der Krieg der vorläufige Höhepunkt in einer ganzen Reihe von Tiefschlägen für unsere Betriebe ist. Auf die Corona-Pandemie folgten das Jahrhundert-Hochwasser sowie der Nachschubmangel an Computer-Chips und Rohstoffen. Ende des vergangenen Jahres wurde dann die A45 bei Lüdenscheid gesperrt. Unsere Region hat keine akzeptable Verbindung mit dem Süden der Republik mehr. Es macht einen sprachlos.

Wenn es mit der neuen Brücke wirklich fünf Jahre und mehr dauert, wird unsere Region nicht mehr die gleiche wie bisher sein. Unsere Heimat gehört zu einer der stärksten Industrieregionen in Deutschland. Ohne die notwendige Infrastruktur wird das nicht so bleiben. Eine solche Gesamtlage müsste eigentlich hektische Betriebsamkeit bei den verantwortlichen Politikern auslösen. Die wirtschaftliche Stärke unseres Bundeslandes steht auf dem Spiel!

Am 15. Mai wurde gewählt. Nun geht es nicht mehr um Worte, sondern um politische Taten. Und zwar um die richtigen. Man möchte Angela Merkel zitieren: Die Lage ist ernst, nehmen Sie sie auch ernst! Die Wirtschaft braucht politischen Rückenwind. Möge diese Forderung in den Koalitionsverhandlungen eine wichtige Rolle spielen!

Wir fordern einen schnellen Neubau der A45-Brücke, aber auch Investitionen in Bildung, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Wir brauchen weniger Bürokratie und Auflagen für unsere Betriebe. Umweltschutz muss gemeinsam mit der Industrie angegangen werden und nicht gegen sie. Energie muss verfügbar und bezahlbar sein. Und schließlich – dies als Botschaft abseits der Politik – darf die anstehende Tarifrunde der Metall- und Elektro-Industrie die Betriebe nicht überfordern.

Wir brauchen endlich Entlastung und einen Aufschwung. Das ist auch im Interesse unserer Arbeitnehmer und des ganzen Landes. Letztlich geht es bei Produktivität und weltweiter Wettbewerbsfähigkeit auch um unsere grundlegende Wirtschafts- und Gesellschaftsform. Selten zuvor hat uns die internationale Lage so deutlich wie jetzt vor Augen geführt, dass wirtschaftliche Stärke und Autarkie die Demokratie stützen und schützen. Sie machen uns unabhängig von den Diktaturen dieser Welt. Die Basis dafür – vergessen wir das nicht – wird vor Ort gelegt, in den Bundesländern und Regionen.