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im Westen

Mehr Geschwindigkeit bei Genehmigungsverfahren

Martin Krengel, Vorstandsvorsitzender der WEPA Gruppe, fordert im Blog mehr Tempo bei Genehmigungsverfahren, damit Energiewende auch gelingen kann.

von Martin Krengel

Mitglied des Vorstands von unternehmer nrw und Vorstandsvorsitzender der WEPA Gruppe

WEPA verpflichtet sich zu 1,5°C-Klimaziel und wünscht sich verlässlichere Rahmenbedingungen für Umsetzungskonzepte und mehr Geschwindigkeit bei Genehmigungsverfahren im Rahmen der Energie- und Klimapolitik

Die extremen Kostensteigerungen, die wir aktuell in den Bereichen Rohstoffe, Transport und vor allem Energie bewältigen müssen, habe ich in meiner gesamten beruflichen Laufbahn noch nicht erlebt. Allein in der zweiten Jahreshälfte 2021 sind unsere Energiekosten um ca. 250 % gestiegen. Dieser Trend setzt sich auch zu Beginn des Jahres 2022 fort. Die Situation wird durch den Angriffskrieg des russischen Präsidenten Putin gegen die Demokratie und die Menschen in der Ukraine, der unfassbares menschliches Leid für die ukrainische Bevölkerung erzeugt, weiter verschärft. Die Situation macht uns zutiefst betroffen. Bei WEPA helfen wir gemeinsam – sei es durch private Initiativen unserer Mitarbeitenden oder gemeinsam mit der gesamten Organisation.

Trotz dieser großen Herausforderungen halten wir an unserem Anspruch fest, die Nummer eins im Bereich der Nachhaltigkeit zu sein. Dies untermauern wir durch unsere Nachhaltigkeitsstrategie und vor allem durch das ambitionierte 1,5-Grad-Celsius-Ziel, das wir uns bei der Science Based Targets Initiative gesetzt haben.

WEPA verpflichtet sich bis 2030 seine Emissionen um 52,5% zu reduzieren. Unsere langfristige Vision ist es, bis 2040 klimaneutral zu werden.

Die WEPA Gruppe setzt seit mehr als 30 Jahren Recyclingfasern als nachhaltigsten Rohstoff zur Herstellung von Hygienepapieren ein. Wir werden den Anteil an Recyclingfasern und innovativen, nachhaltigen Alternativfasern erhöhen und sorgen so für eine Reduktion des ökologischen Fußabdrucks unserer Produkte um 25%. Daneben gehört zu unserer Strategie eine konsequente Reduzierung der CO2-Emissionen. Hierbei setzen wir unter anderem auf Effizienzsteigerungen, wie z.B. den Einbau hochmoderner Maschinen zur Vakuumerzeugung, die eine Stromeinsparung von 25-30% ermöglichen. Zusätzlich verfolgen wir die Steigerung unseres Bezugs von erneuerbaren Energien, z.B. eine Stromkaufvereinbarung („PPA“) für Wasserkraft. Darüber hinaus arbeiten wir auch daran, die Ressource Wasser durch einen reduzierten Verbrauch zu schonen und erarbeiten aktuell gemeinsam mit dem WWF Deutschland ein Wasser-Risiko-Ziel. Außerdem wollen wir bis 2025 eine einhundertprozentige, stoffliche oder energetische Verwertung von Produktionsabfällen erreichen, um so Kreisläufe zu schließen. Daneben entwickeln wir unsere Nachhaltigkeitsthemen in unserem Portfolio stetig weiter und betreiben entsprechende Forschung über unsere bestehenden Hygienelösungen hinaus. Wir sind Teil der Modellfabrik Düren und erwarten uns hier Innovationssprünge im Fertigungsprozess für die Papierbranche.

Das Ziel ist klar: Die Politik muss die Rahmenbedingungen setzen, damit jeder unter fairen Wettbewerbsbedingungen die Ziele erreichen kann.

Die durch die Politik gesetzten Nachhaltigkeitsziele sind ambitioniert und bedeuten eine Verdreifachung der bisherigen CO2-Reduktionsgeschwindigkeit. Bei WEPA sind wir bereit, diesen Weg zu gehen, und wünschen uns dafür die Politik als einen verlässlichen Partner an unserer Seite. Aktuell belastet Deutschland die Unternehmen, neben dem Europäischen Emissionshandelssystem für die energieintensive Industrie, zusätzlich durch einen nationalen CO2-Mindestpreis für die Bereiche Wärme und Verkehr. Die Politik muss verstehen, dass Dekarbonisierungsprozesse nicht linear verlaufen. Vielen Unternehmen wird aktuell die Liquidität entzogen, die sie eigentlich für die notwendigen Zukunftsinvestitionen benötigen. Die Politik sollte zusätzliche Anreize für private Investitionen bieten, um Energieeffizienzprojekte schneller wirtschaftlich attraktiv zu machen.

Für die regionale Fertigung muss die Politik die Energieversorgung und Energiesicherheit vor Ort ermöglichen.

Zu gleichen Wettbewerbsbedingungen gehört, dass der Carbon-Leakage-Schutz verbessert werden muss. Dies ist wichtig, damit auch energieintensive Produkte weiterhin vor Ort gefertigt werden können. Die Politik hat es bisher nicht geschafft, den Ausbau der erneuerbaren Energien ausreichend zu forcieren oder entsprechende Alternativen zu ermöglichen. Unternehmen brauchen aber für ihre Planung Verlässlichkeit sowie Geschwindigkeit bei den Genehmigungsverfahren und sollten als Teil der Lösung, auch in der Energieerzeugung, stärker mit eingebunden werden.

Verbraucher benötigen klar definierte und verständliche Nachhaltigkeitskriterien, um Entscheidungen transparent treffen zu können und Irreführung durch „Greenwashing“ der Unternehmen und deren Produkte zu verhindern.

Dazu gehören unter anderem verbindliche Kriterien und Standards, um zusätzliche Nachhaltigkeitsaspekte wie die Biodiversität zu berücksichtigen und Kreislaufsysteme zu implementieren. Allein in der Papierindustrie kosten Fehlwürfe beim Altpapier die Branche jährlich Millionen – hier bedarf es einer besseren Aufklärung und zusätzlicher Informationskampagnen für die Verbraucher. Deshalb müssen Industrie, Politik und Gesellschaft enger zusammenarbeiten, um die gemeinsamen Ziele der Emissionsreduzierung und Klimaneutralität zu erreichen. Dies wird einige Kraftanstrengungen erfordern, aber wir gehen diesen Weg mit großem Engagement an und appellieren an alle: Lassen Sie ihn uns gemeinsam gehen.